Perspektive Wettbewerb Peterssteinweg/Nonnenmühlgasse, 1. Preis, Unnewehr Packbauer Architekten

Der zeitgemäße Block: Wettbewerb Peterssteinweg Leipzig · 1. Platz

Auf einem Leipziger Innenstadt-Grundstück soll eine neue Adresse für komfortable Hotel-, Büro-, Wohn- und Einzelhandelsflächen entstehen. Die Auslober luden zu einem Realisierungswettbewerb ein. Unter 12 Teilnehmern gewinnen upa den 1. Preis.

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Entwurfsziel war die Entwicklung eines Stadtbausteins, der sich von Körnung und Höhe her wie selbstverständlich in das bestehende Stadtgefüge einbettet, dieses sinnvoll ergänzt und stärkt. Parameter dieser Überlegung sind die bestehende Probstei St. Trinitatis, der ausgedehnte Raum des Wilhelm-Leuschner-Platzes sowie die umgebende Blockrandbebauung in Höhe und Struktur.

Anlass und Zielsetzung

Der Bauplatz befindet sich in exponierter Lage an der Westseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes unmittelbar südwestlich der Leipziger Innenstadt. Ziel des Verfahrens ist die Neubebauung des Grundstücks mit einer seinem Umfeld angemessenen und architektonisch hochwertigen Bebauung. Der gestalterische Reiz der Aufgabe lag in der Entwicklung eines Stadtbausteins, der sich in seine Umgebung einfügt und auf diese Weise zwischen Vergangenheit und Gegenwart vermittelt. Eine Konkurrenz zur umgebenden Bebauung wird bewusst nicht gesucht, sondern vielmehr eine sinnhafte Ergänzung und Stärkung des umgebenden Stadtgefüges angestrebt. Dennoch soll die Neubebauung an diesem prominenten Standort durch eine den Ort prägende Gestalt eine eigene Identität entfalten.

  • Wettbewerbszeichnungen: Blatt 1Wettbewerbszeichnungen: Blatt 1
  • Wettbewerbszeichnungen: Blatt 2Wettbewerbszeichnungen: Blatt 2
  • Wettbewerbszeichnungen: Blatt 3Wettbewerbszeichnungen: Blatt 3
  • Wettbewerbszeichnungen: Blatt 4Wettbewerbszeichnungen: Blatt 4
  • Wettbewerbsmodell: Aufnahme von SüdostWettbewerbsmodell: Aufnahme von Südost
  • Wettbewerbsmodell: Aufnahme von NordostWettbewerbsmodell: Aufnahme von Nordost

Städtebauliche Konzeption und Nutzungsverteilung

Die besondere Herausforderung der Aufgabe lag darin, eine städtebauliche Konzeption zu finden, durch die eine schlüssige Einfügung in das städtische Umfeld gewährleistet ist. Das Baufeld mit seinen baurechtlichen Bindungen gibt im Wesentlichen einen Hinweis auf eine Blockrandbebauung als städtebauliche Grundfigur. Gestaltungsspielraum bestand vornehmlich in der Bildung von geschossweisen Staffelungen und der plastischen Ausformulierung der Fassaden.

Die Entwicklung des Neubaukörpers ist ein klares Bekenntnis an die vorherrschende Blockrandbebauung, formuliert sich aber je nach Situation durch Staffelung der Umgebung unterschiedlich aus. Die innere Struktur des Gebäudes wird genutzt, um über Vor- und Rücksprünge der Fassade einen kleinteiligeren Rhythmus zu schaffen, damit die Länge des Gesamtblocks zu gliedern und zudem die Porosität der vorherrschenden Blockbebauung aufzunehmen. Die öffentlichen Nutzungen Büro und Hotel werden von der Seite des Wilhelm-Leuschner-Platzes erschlossen. Zum Platz hin bildet sich eine repräsentative Fassade mit einem Hochpunkt an der Ecke Nonnenmühlgasse/Wilhelm-Leuschner-Platz. Dieser Hochpunkt nimmt direkten Bezug auf den zurückweichenden Baukörper der Probstei St. Trinitatis und bildet einen Abschluss des Blocks von eigenständiger Prägung. Von hier aus staffelt sich der Baublock sukzessive nach unten, sodass er mit seiner Traufhöhe die Höhen der umgebenden Bebauung aufnimmt. Unterstützt wird die Kurvatur des Blocks durch die jeweils mittigen Rücksprünge und die damit einhergehende Betonung der Ecken. Hiermit wird nicht nur die Struktur des Gebäudes in der Fassade abgebildet und in ihrer Großmaßstäblichkeit gebrochen, sondern auch eine in sich ruhende und harmonische Gesamtform geschaffen, die sich über Höhen und Körnung wie selbstverständlich in die städtische Umgebung einfügt.

»Im Ganzen stellt der Entwurf eine überzeugende Lösung für den konkreten Stadtraum und eine stimmige Antwort auf die komplexe Aufgabenstellung insgesamt dar.« Auszug aus dem Protokoll des Preisgerichtes vom 11.05.2020

Entwurfsziel war die Entwicklung eines Stadtbausteins, der sich von Körnung und Höhe her wie selbstverständlich in das bestehende Stadtgefüge einbettet, dieses sinnvoll ergänzt und stärkt. Parameter dieser Überlegung sind die bestehende Probstei St. Trinitatis, der ausgedehnte Raum des Wilhelm-Leuschner-Platzes sowie die umgebende Blockrandbebauung in Höhe und Struktur.

Die privaten und weniger öffentlichen Nutzungen wie Wohnen und Pflege orientieren sich in Richtung der im Rahmen des Bauvorhabens neu geschaffenen Ruth-Pfau-Straße und werden auch von dort erschlossen. Während die Pflegezimmer zum Teil noch in Richtung Nonnenmühlgasse ausgerichtet sind und zusammen mit der Büronutzung eine starke Rückwand zur Probstei St. Trinitatis ausbilden, setzt sich das Wohnen in Höhe und Ausgestaltung der Fassaden von den restlichen Nutzungen ab. Es liegt eingebettet wie eine Intarsie im hinteren, von den großen Straßen abgewandten Teil des Blocks und schafft über die Gestaltung der Fassade und der Balkone eine private Atmosphäre zur Ruth-Pfau-Straße.

Die Erdgeschosszone wird rundherum mit öffentlichen Nutzungen versehen. In Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz und Nonnenmühlgasse sind größere Gewerbeflächen angesiedelt, die von ihrer Art und Größe der öffentlichen Lage entsprechen (z. B. Restaurant, Shops). An der Ecke Wilhelm-Leuschner-Platz/Dimitroffstraße liegen die öffentlichen Teile des Hotels (Lobby und Restaurant).

Materialität und Fassade

Das zeitgemäße Büro- und Geschäftshaus sowie der Hoteltypus mit einem auf innere Flexibilität bezogenen Anspruch scheinen heute ein beinahe globaler Bautypus zu sein. Bandfassaden oder eng gerasterte Lochfassaden mit achsweisen Trennwandanschlüssen ermöglichen flexible Flächenzuschnitte und erzeugen in ihrer Rigidität die oft bemängelte Gesichtslosigkeit unserer Städte. Diese funktionalen Anforderungen mit einer aus dem Kontext der Altstadt transformierten Gestalt zu verbinden, war ein weiteres Ziel der vorliegenden Arbeit.

Der repräsentative Neubau soll sich so an diesem wichtigen Ort in die umliegende Altstadtbebauung einfügen. Um dies für den Betrachter lesbar zu machen, werden gestalterische Qualitäten der historischen Fassaden definiert und an den Neubau adaptiert. Die traditionelle Dreiteilung von Altstadtfassaden in Sockel, Mittelzone und Dachgeschoss wird im vorliegenden Entwurf aufgenommen und neu interpretiert. Das Erdgeschoss erhält großformatige horizontale Öffnungen, die als Schaufenster und Eingänge fungieren und durch ihre tiefen Fensterlaibungen die massive Erscheinung des Sockels verstärken. Die Schaufenster werden in breite Bronzerahmen gefasst und somit betont. In diese Rahmen integriert sind auch die Eingangstüren der Läden. Die Eingänge in den Büroteil und das Hotel werden durch einen Rücksprung in der Fassade in Form von Kolonnaden betont, bilden so einen geschützten Vorbereich und entfalten ihre eigene Prägnanz im Fassadenbild. Ab dem zweiten Obergeschoss werden die Fenster ebenfalls mit Bronzerahmen in die Steinfassade gesetzt. Mit zunehmender Höhe wird die Breite der Bronzerahmen jedoch sukzessive vergrößert. Die Breite der vertikalen Klinkerlisenen reduziert sich dadurch mit jedem Geschoss, die Erscheinung wird leichter. Diese Veränderung der bronzenen Rahmen verleiht der Fassade eine besondere Feinheit. So wird die unten vorgegebene Fassadenordnung mit zunehmender Höhe fließend aufgelöst. Die Überlagerung dieser Themen und deren Detailreichtum führen zu einer Vielschichtigkeit und mehrfachen Lesbarkeit der Fassaden.

Im Bereich der Ruth-Pfau-Straße wird der Bau als Putzfassade mit weit aus der Fläche herauskragenden Balkonen ausgeführt und setzt sich insoweit vom restlichen Block in Materialität und Struktur ab. Im Ergebnis soll eine dem Wohnen adäquate Fassade entstehen, die der Ruth-Pfau-Straße eine intimere Atmosphäre verleiht.

Brandschutz

Sämtliche Flächen der Büroeinheiten liegen unter 400 m², sodass auf notwendige Flure verzichtet werden kann. Hierbei handelt es sich um eine gleichzeitig wirtschaftliche wie flexible Lösung. Alle Nutzungseinheiten verfügen jeweils über einen baulichen Rettungsweg und anleiterbare Fenster entsprechend der Sächsischen Bauordnung. Auf eine Anordnung von teuren Sicherheitstreppenräumen verzichtet der Entwurf.

Flexibilität

Aufgrund von Langlebigkeit und Wertbeständigkeit der Immobilie wird vom Auslober eine hohe Flexibilität der einzelnen Gebäudeteile gewünscht. Der vorliegende Entwurf wird dieser Forderung durch nachfolgende Maßnahmen gerecht:

      • klare Setzung der Treppenräume
      • Möglichkeit der Unterteilung sämtlicher Flächen in 400 m²-Einheiten,
      • durchgängiges 1,30 m-Fassadenraster sowie
      • durchgehende Geschosshöhen in den Obergeschossen.

Aufgrund der vorgenannten Punkte ist es ohne größere Eingriffe in die Rohbaustruktur möglich, die Nutzungen auch in anderer Konstellation anzuordnen oder im Nachhinein umzuplanen. Einzig das Wohnen ist aufgrund seiner spezifischen Struktur von dieser Flexibilität ausgenommen.

Logistik und Parken

Der Entwurf sieht eine zweigeschossige Tiefgarage mit 224 Stellplätzen vor, die über die Dimitroffstraße erschlossen wird. Die überdachte Anlieferung des Hotels liegt direkt neben der Tiefgarageneinfahrt ebenfalls auf der Seite der Dimitroffstraße. Die Anlieferung des Betreuten Wohnens erfolgt entweder über die Tiefgarage oder über den Straßenraum der Nonnenmühlgasse.

Projektnachweis

Entwurf: Unnewehr Packbauer Architekten in Zusammenarbeit mit Monari Zitelli Reteike Architekten Auslober: GRK 27. Projektgesellschaft mbH, St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig gGmbH Objektgröße: 35.000 m² BGF Visualisierung: grauwald studio, Berlin Entwurfsjahr: 2020
 

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